NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

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AnjaLi
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NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von AnjaLi » Di 29. Okt 2019, 19:06

Hallo Zusammen,
es gab am vergangenen Wochenende einen Foto- Workshop im ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlager an der BritzerStraße/Berlin den Kevka und ich uns nicht entgehen lassen wollten. Der Workshop ging Freitag-Nachmittag los mit technischer Einführung und einer Führung durch das Gelände. Thema war auch grob gesagt „Storytelling“ + Bildaufteilung etc. – da musste ich leider arbeitsmäßig noch fehlen…aber Samstag /Sonntag kamen ja noch. Ziel des Workshops war es Bilder zu gestalten und eigene Motive zu finden -unter inhaltlicher Auseinandersetzung mit der Umgebung eine eigene Fotogeschichte zu erarbeiten. Die Gebäude waren überwiegend Unterkunftsgebäude, die allerdings kaum originale Unterkunft-Gegenstände hatten – Original erhalten war allein Baracke 13, alle anderen waren Teil der Ausstellung geworden. Auch Baracke 13 hatte keine Ausstattung, bzw. kaum. Aber man hatte leere Räume zur Verfügung und einen gut erhaltenen Keller. Ja, so hatten wir die Idee diese Räume in Szene zu setzen und als Thema das Verhältnis von den Insassen und deren „Aufpassern“ darzustellen (Geister der Vergangenheit). Gesagt, getan, Ausstattungsgegenstände zusammengetragen und Sache durchgezogen. Traf bei der Bildbesprechung nicht jedermanns Wohlgefallen und es wurde deutlich, dass unsere Inszenierung eindeutig einige aus ihrer Komfort-Zone geholt hat. Es gab ordentlich Diskurs – wenn man die anderen Bilddarstellungen sich betrachtete, dann war das eher ein von draussen draufschauen (Stacheldrahtzaun, Außengelände, Fenster usw.), da hob sich unser Beitrag schon sehr ab. Für uns auch eher eine Bestätigung unserer Arbeit – keine andere Arbeit wurde von dem anwesenden Kreis überhaupt diskutiert – und schön waren die Zwangsarbeiterlager nicht und werden sie auch in der Nachbetrachtung nicht sein. Bereitet man so ein Thema künstlerisch auf, können da meiner Ansicht nach nicht nur Wohlgefallen-Bilder bei rauskommen. Für die persönlichen Komfortzonen blieb also nicht viel übrig…. Wie sagte einer der uns wohlgesinnten Teilnehmer: „dass es so etwas doch immer noch gibt, das ist Realität! Wir sehen es nur nicht!“ Wollen wir es sehen?
Zum guten Abschluss bescheinigte uns der leitende Fotograf eine technisch einwandfreie Arbeit. Außer, dass ich super Teamarbeit mit Kevka erlebt habe nahm ich aus dem Workshop einige für mich wertvolle Hinweise mit. Storytelling – es sind oft die angedeuteten Sachen, wo das Bild anfängt Gedanken anzuregen und eine Geschichte im Kopf entsteht. Also eher Arbeit an den Details. Arbeiten mit Unschärfe/Bewegung in teils schlecht beleuchteten Gebäuden. Und meine persönliche Herausforderung war das fotografieren im Zeitdruck… man konnte also nicht lange überlegen, sondern einfach MACHEN war angesagt! Also eigentlich sind wir auch gar nicht fertig geworden.... :lol:
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Re: NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von NicOh » Di 29. Okt 2019, 20:34

Sehr nice!!
Ja so ist das eben mit der Fotografie.. Story ist halt mehr als die halbe Miete und wenn man es dann mit technischen verstand umsetzen kann hat man gewonnen..
ich sage immer, wenn man ein bild betrachtet in dem man eine Story erzählt, da muss der Betrachter beim Blick auf dem Bild, sich Gedanken über die 5 Sekunden davor und die 5 Sekunden danach machen können, bzw angeregt sein dieses zu tun.

Eure Arbeit ist sehr interessant..Bild 4 gewinnt!

grüß Nicola

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Re: NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von Lugias Crusader » Di 29. Okt 2019, 22:30

Es war definitiv eine Erfahrung und Feuer hatte der Workshop dann entfacht, als Anjas und meine Bilder über die technische und "schöne" Diskussion hinausgingen und Komfortzonen gesprengt haben. Das zwei Teilnehmer sagten, sie wollen bestimmte Bilder nicht (mehr) sehen, verlangt förmlich mehr Bilder zu schaffen. Auch konnte viel gelernt werden, dass das Bild nicht immer abhängig ist vom rein technisch-perfekten Aspekt von maximaler Schärfe etc pp.

Dort wurde sich auf einer anderen Meta-Ebene über Kommerz und Konsum hinaus bewegt, wo sich sonst die meisten Photographen (auch beruflich) sonst lediglich befinden und schwerlich tun, dort rauszukommen. Geschweige es zu erkennen.
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Re: NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von Hellibaby » Mi 30. Okt 2019, 06:49

Absolut starke Bilder. An einem solchen Ort verbietet es auch den Eitelsonnenschein mit Blumenstraußromantik zu propagieren.
Gruß
Dave

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Re: NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von NicOh » Mi 30. Okt 2019, 08:06

Wie alt waren denn die Teilnehmer , die eure Bilder nicht mehr sehen wollten?
diese weichgespülte Gesellschaft kann damit leider nicht umgehen.. man muss auch mal hinschauen um bestimmte dinge zu begreifen..
Das sind die die einer Greta hinterherrennen und die die sich über ungelegte Eier Gedanken machen anstatt die wirklichen Probleme anzugehen, so ist es halt :?

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Re: NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von Steffen » Mi 30. Okt 2019, 08:21

Hallo Ihr Beide,

ausdrucksstarke Bilder und Eure Beschreibung der Erlebnisse. Ich hatte auch erst überlegt teilzunehmen, nach Kevin seinem Hinweis, aber mich dann auch nicht aus meiner Komfortzone bewegt.

Danke fürs Zeigen und Beschreiben.

VG Steffen

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Re: NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von Clemens » Do 31. Okt 2019, 07:41

Ich bin beeindruckt.
Die Inszenierung ist nach meinem Eindruck gelungen.
Die Ergebnisse sind alles, aber nicht langweilig.
Was stieß den anderen Teilnehmern auf?
Ging es denen um Wandschmuck?

Gruß
Clemens

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Re: NS-Zwangsarbeiterlager - Geister der Vergangenheit

Beitrag von AnjaLi » Do 31. Okt 2019, 16:45

Einigen Teilnehmern gefiel die Darstellung von Bewachungspersonal in den Räumen nicht. Fast eine Entweihung des Ortes, zu Heroische, drohende Darstellung waren die Schlagwörter.
Die Besetzung der Gruppe war gemischt. Drei junge Frauen Anfang 20...schätzungsweise, eine ältere Mitte 50 und drei Herren, irgendwas zwischen 45 bis 56.
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